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Auslandsstudium Tschechien

Bereits im 14. Jahrhundert erlebte Prag, das schon damals mit rund 60.000 Einwohnern eine der größten Städte Mitteleuropas war, ein goldenes Zeitalter. 1346 machte der böhmische König und spätere deutsche Kaiser Karl IV. Prag zu seiner Residenzstadt und Böhmen zum Kernland des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Zwei Jahre später gründete der in Frankreich erzogene Herrscher in Prag eine Universität. Die Karls-Universität, die heute seinen Namen trägt, ist nicht nur die älteste Universität in Mitteleuropa, sie gilt auch als die erste deutsche Universität, denn die Mehrzahl der Dozenten und Studenten war anfangs deutschsprachig. Karls Nachfolger, Wenzel IV., versuchte dies zu ändern. Auf Betreiben des berühmten tschechischen Reformators und Kirchenkritikers Jan Hus, der ab 1398 Theologie an der Universität lehrte, beschnitt Wenzel die Rechte der Deutschen an der Karls-Universität zugunsten der Tschechen. Aus Protest verließen rund 2.000 deutsche Studenten und viele Professoren das Land und gründeten in Leipzig eine neue Universität. Doch der Einfluss der Deutschen an der Universität war nach wie vor groß. Im 18. Jahrhundert wurde Latein in den Hörsälen durch die deutsche Sprache ersetzt. Hundert Jahre später, als das tschechische Nationalbewusstsein zu wachsen begann, existierten unter dem Dach der Karlsuniversität eine deutsche und eine tschechische Hochschule. Dieser Zustand endete mit der Besetzung Prags durch die Nazis. Die Nationalsozialisten schlossen alle tschechischen Hochschulen. Dabei wurden neun Studenten hingerichtet und 1.200 verhaftet. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde an der Karls-Universität nur noch in tschechischer Sprache unterrichtet. Seit der Wende geht der Trend wieder in Richtung Mehrsprachigkeit. Heute studieren rund 40.000 Studenten an der Karls-Universität, darunter sind ca. 1000 Ausländer. Diese Zahlen zeigen, dass noch immer 40 Prozent aller tschechischen Studenten an der Karlsuniversität studieren, auch wenn sich die anderen Universitäten immer größerer Beliebtheit erfreuen.

Die Tschechische Republik verfügt zurzeit über 23 Universitäten und Hochschulen mit 112 Fakultäten. Die wichtigsten Universitätsstädte sind Prag und Brno (Brünn). Allerdings gewinnen zunehmend andere Universitäten an Bedeutung. Dies liegt auch daran, dass die Chancen auf einen Studienplatz dort größer sind als in Prag. Das Studienangebot hat sich seit 1989 enorm erweitert: Gab es damals 173 Studiengänge, sind es jetzt beinahe 1.000.

Und die Zahl der Studierenden ist von 114.000 im Jahr 1989 auf 177.000 im Jahr 2002 gestiegen. Und auch für ausländische Studenten ist das Interesse an Tschechien als Studienort stetig gewachsen. Während noch immer sehr viele ausländische Studenten aus dem Osten kommen, steigt auch die Zahl der Studenten aus dem Westen und aus asiatischen Ländern an.

Studiensystem und Studienabschlüsse

Das Studiensystem gliedert sich in Bachelor-, Magister- und Promotions-Studium. Das Magisterstudium an tschechischen Hochschulen dauert in der Regel fünf Jahre und endet mit einem Staatsexamen sowie einer Diplomarbeit. Nach dreijährigem Grundstudium, in dem den Studenten nur wenige Wahlmöglichkeiten eingeräumt werden, erfolgt ein spezialisiertes Hauptstudium von nochmals zwei Jahren. Trotz verschiedener Versuche, auch während des Grundstudiums schon individuellere Vorlieben zu ermöglichen, liegt die Zahl der Pflichtveranstaltungen meistens noch bei 20 Wochenstunden. Das dreijährige Bachelor-Studium ist besonders für praxisorientierte Fächer eingerichtet worden und kann heute an 78 Fakultäten landesweit studiert werden. Wer einen guten Magisterabschluss vorweisen kann, für den besteht in Tschechien auch die Möglichkeit einer Promotion. Ähnlich wie in Deutschland zeichnet sich das Promotionsstudium durch eigenständiges Arbeiten aus. Im Durchschnitt muss man an tschechischen Hochschulen mit einer Dauer von drei Jahren für das Promotionsstudium rechnen.

Anerkennung von Studienleistungen

An vielen Hochschulen wird bereits ein Kreditpunktesystem angewandt, das allerdings noch nicht vereinheitlicht ist. Angestrebt wird die allgemeine Einführung des European Credit Transfer Systems (ECTS). Damit soll sichergestellt werden, dass die Leistungen der Studenten auch an anderen europäischen Hochschulen anerkannt werden. Die akademischen Abschlüsse sind bereits international anerkannt.

Bewerbung an tchechischen Universitäten

Ausländische Studenten, die ihr gesamtes Studium in der Tschechischen Republik absolvieren wollen, müssen dieselben Aufnahmevoraussetzungen erfüllen wie tschechische Bewerber. Weil es viel mehr Anwärter als Studienplätze gibt, ist der NC in den meisten Fächern entsprechend hoch. Um als Deutscher zugelassen zu werden, bedarf es der Hochschulreife, bei Fachhochschulreife hängt die Anerkennung vom gewünschten Studienfach ab. Da die weiteren Zulassungsbedingungen von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich sein können, wendet man sich am besten direkt an die entsprechenden Universitäten oder Auslandsbüros der jeweiligen Universität, um Besonderheiten zu erfragen.

Zu den obligatorischen Unterlagen gehören:

  • Lebenslauf
  • Abiturzeugnis
  • Antrag auf Zulassung zum Studium.

Die Bewerbungsunterlagen müssen bis zum 30. März bei der tschechischen Hochschule angekommen sein. Danach steht den Kandidaten noch eine mündliche Eignungsprüfung bevor. Hat alles geklappt, erfolgt die Einschreibung im September.

Kosten und Finanzierung

Wer nur ein oder zwei Semester in der Tschechischen Republik verbringen will, muss weitaus tiefer ins Portemonnaie greifen. Für Studienprogramme in englischer Sprache werden je nach Fachrichtung Semestergebühren zwischen 2500 und 5000 Euro fällig. Für rund 2800 Euro bietet zum Beispiel East and Central European Studies (ECES) seinen Teilnehmern die Auswahl unter 16 überwiegend kulturwissenschaftlichen Vorlesungen – auf Englisch von tschechischen Professoren. Für Ausländer ist das Studium an einer tschechischen Hochschule kostenfrei, wenn sie im Rahmen eines Studienaustauschprogramms in die Tschechische Republik kommen. Auch wenn sie sich dem Aufnahmeverfahren unterziehen und auf Tschechisch studieren, zahlen sie keine Studiengebühren. Für die englischsprachigen Angebote entfällt dagegen der Aufnahmetest und es werden Studiengebühren von bis zu 10.000 Dollar pro Jahr erhoben.

Lebenshaltungskosten

In Tschechien ist ein Bett in einem Studentenwohnheim garantiert. Die Mietpreise schwanken zwischen 50 und 100 Euro im Monat für ausländische Studenten, die im Rahmen von Austauschprogrammen kommen. Ansonsten werden die Gäste in besser eingerichteten Wohnheimen für ausländische Studenten untergebracht, die erheblich teurer sind. Die Vergabe der Wohnheimplätze erfolgt über die Fakultäten. Es empfiehlt sich daher, rechtzeitig Kontakt aufzunehmen.

Wohnungen in Prag zu finden ist einerseits schwer, andererseits sind sie sehr teuer, wenn sie nicht etwas außerhalb liegen. Einzelzimmer privat kostet ca. 150-200 Euro.

Die Lebenshaltungskosten betragen ungefähr 300 Euro im Monat. Die Lebenshaltungskosten in Brno sind verglichen mit Prag und Deutschland sehr viel niedriger. (ein Mensaessen kostet 1 €, ein Bier ca. 70 Cent).

Sprachkenntnisse

Es lohnt es sich Tschechisch zu lernen, nicht nur im Alltag, sondern auch für die Geldbeutel. Für ausländische Studenten zahlen sich Tschechischkenntnisse im wahrsten Sinne des Wortes aus, das Studium an einer tschechischen Hochschule ist für sie kostenfrei, wenn sie sich dem Aufnahmeverfahren unterziehen und auf Tschechisch studieren.

Wer allerdings als Austauschstudent nach Tschechien kommt, und englischsprachige Studiengänge besucht, muss Studiengebühren bis zu 10.000 Dollar pro Jahr zahlen. Und verpasst außerdem die alltäglichen Kuriositäten, weil er sie ganz einfach nicht versteht.

Visum und Krankenversicherung

Wie alle Bürger der EU können auch deutsche Studenten mit einem Reisepass oder einem Personalausweis in die Tschechische Republik einreisen. Das jeweilige Dokument sollte für die vorgesehene Aufenthaltsdauer gültig sein. Seit dem 1. Mai 2004 gilt demnach keine Visumspflicht mehr für EU-Bürger. Für einen Aufenthalt bis zu 90 Tage benötigen die Unionsbürger keine spezielle Aufenthaltsgenehmigung. Wer länger in Tschechien bleibt, kann bei der zuständigen Fremdenpolizei in Tschechien eine EU-Aufenthaltsgenehmigung beantragen. Das notwendige Antragsformular ist bei der Fremdenpolizei erhältlich, kann aber auch auf der Webseite des Innenministeriums der Tschechischen Republik heruntergeladen werden. http://www.mvcr.cz

Dem Antrag müssen folgende Dokumente beigefügt werden:

  1. gültiger Reisepass oder Personalausweis
  2. 2 Passbilder
  3. Zweck des Aufenthalts (Z. Bsp. im Falle einer Arbeitsaufnahme der Arbeitsvertrag, bei juristischer Person der Auszug aus dem Handelsregister, beim Studium Bescheinigung der tschechischen Organisation über das Studium)

Wie in allen anderen Ländern der EU hilft auch in Tschechien zunächst einmal die Europäische Krankenversicherungskarte (früher das Formular E 111). Damit ist normalerweise eine Behandlung durch einen Vertragsarzt gesichert. Wie auch in Polen kann es vereinzelt noch zu Abrechnungsschwierigkeiten mit den tschechischen Ärzten kommen, weshalb es sich empfiehlt, noch eine private Zusatzversicherung abzuschließen. Die privaten Zusatzversicherungen übernehmen entsprechend den Versicherungsbedingungen die anfallenden Krankheitskosten und einen medizinisch notwendigen Rücktransport aus dem Ausland. Diese Zusatzversicherungen können recht preisgünstig bei verschiedenen Versicherungsunternehmen, Reisebüros, Banken oder Automobilclubs abgeschlossen werden.

Weitere Fragen beantwortet auch die tschechische Botschaft in Berlin:
http://www.mzv.cz/berlin

Was kann man an welcher Uni studieren?

  • Agrartechnik: Mendel Universität für Landwirtschaft und Forsten Brünn, Hochschule für Landwirtschaft Prag
  • Agrarwirtschaft: Hochschule für Landwirtschaft Prag, Mendel Universität für Landwirtschaft und Forsten Brünn
  • Agrarwissenschaft: Hochschule für Landwirtschaft Prag, Südböhmische Universität Ceské Budéjovice, Mendel Universität für Landwirtschaft und Forsten Brünn
  • Bauingenieurwesen: Technische Universität (TU) Brünn, TU Liberec, Tschechische Technische Universität Prag
  • Bergbau: Hochschule für Bergbau TU Ostrava, Tschechische Technische Universität Prag,
  • Betriebswirtschaft: Masaryk Universität Brünn, TU Brünn, Mendel Universität für Landwirtschaft und Forsten Brünn, Südböhmische Universität Ceské Budéjovice, Hochschule für Pädagogik Hradec Králové, TU Liberec, Schlesische Universität Opava, Hochschule für Bergbau-Technische Universität Ostrava, Universität Pardubice, Westböhmische Universität Pilsen, Tschechische Technische Universität Prag, Hochschule für Chemische Technologie Prag, Hochschule für Ökonomie Prag, Hochschule für Landwirtschaft Prag, J. E. Purkyne Universität
  • Biologie: Masaryk Universität Brünn, TU Brünn, Südböhmische Universität Ceské Budéjovice, Palacky Universität, Universität Ostrava, Hochschule für Bergbau-Technische Universität Ostrava, Karlsuniversität Prag, Tschechische Technische Universität Prag
  • Biomechanik: Tschechische Technische Universität Prag,
  • Chemie: Masaryk Universität Brünn, Palacky Universität, Universität Ostrava, Karlsuniversität Prag, Universität Pardubice
  • Chemische Technik: TU Brünn, Tschechische Technische Universität Prag, Hochschule für chemische Technologie Prag
  • Elektrotechnik: TU Brünn, Hochschule für Bergbau TU Ostrava, Westböhmische Universität Pilsen
  • Forstwissenschaft: Mendel Universität für Landwirtschaft und Forsten Brünn, Hochschule für Landwirtschaft Prag
  • Gartenbau: Mendel Universität für Landwirtschaft und Forsten Brünn
  • Geographie: Masaryk Universität Brünn, Palacky Universität, Universität Ostrava, Hochschule für Bergbau TU Ostrava, Karlsuniversität Prag, Westböhmische Universität Pilsen
  • Geologie: Masaryk Universität Brünn, Palacky Universität, Hochschule für Bergbau TU Ostrava, Karlsuniversität Prag
  • Gesundheitswesen: Masaryk Universität Brünn, Südböhmische Universität Ceské Budéjovice, Palacky Universität, Universität Ostrava, Karlsuniversität Prag, J. E. Purkyne Universität
  • Informatik: TU Brünn, TU Liberec, Hochschule für Pädagogik Hradec Králové, Hochschule für Bergbau TU Ostrava, Universität Ostrava, Tschechische Technische Universität Prag, Westböhmische Universität Pilsen, Südböhmische Universität Ceské Budéjovice, Palacky Universität, Karlsuniversität Prag
  • Informationstechnik: Tschechische Technische Universität Prag, Westböhmische Universität Pilsen, TU Brünn
  • Kartographie: Tschechische Technische Universität Prag, Westböhmische Universität Pilsen, TU Brünn
  • Kerntechnik: Tschechische Technische Universität Prag
  • Krankenpflege: Masaryk Universität Brünn, Südböhmische Universität Ceské Budéjovice, Palacky Universität, Universität Ostrava, Karlsuniversität Prag, J. E. Purkyne Universität
  • Kybernetik: TU Brünn, TU Liberec, Tschechische Technische Universität Prag, Westböhmische Universität Pilsen
  • Maschinenbau: TU Brünn, TU Liberec, Westböhmische Universität Pilsen
  • Mathematik: Masaryk Universität Brünn, Universität Palacky, Schlesische Universität Opava, Universität Ostrava, Karlsuniversität Prag, Westböhmische Universität Pilsen
  • Medizin: Masaryk Universität Brünn, Palacky Universität, Karlsuniversität Prag
  • Pädagogik: Masaryk Universität Brünn, Palacky Universität, Universität Ostrava, Karlsuniversität Prag
  • Pharmazie: Masaryk Universität Brünn, Hochschule für Veterinärmedizin und Pharmazie Brünn, Karlsuniversität Prag
  • Physik: Masaryk Universität Brünn, Universität Palacky, Schlesische Universität Opava, Universität Ostrava, Karlsuniversität Prag, Westböhmische Universität Pilsen
  • Physikalische Technik: TU Liberec, Hochschule für Bergbau TU Ostrava, Westböhmische Universität Pilsen
  • Physiotherapie: Masaryk Universität Brünn, Südböhmische Universität Ceské Budéjovice, Palacky Universität, Universität Ostrava, Karlsuniversität Prag, J. E. Purkyne Universität
  • Politikwissenschaft: Masaryk Universität Brünn, Palacky Universität, Karlsuniversität Prag
  • Psychologie: Masaryk Universität Brünn, Palacky Universität, Karlsuniversität Prag
  • Rechtswissenschaft: Masaryk Universität Brünn, Palacky Universität, Karlsuniversität Prag, Westböhmische Universität Pilsen
  • Robotik: TU Brünn, TU Liberec, Hochschule für Bergbau TU Ostrava, Tschechische Technische Universität Prag, Westböhmische Universität Pilsen
  • Sozialarbeit: Masaryk Universität Brünn, Palacky Universität, Karlsuniversität Prag, Hochschule für Pädagogik Hradec Králové
  • Soziologie: Masaryk Universität Brünn, Palacky Universität, Karlsuniversität Prag
  • Systemtechnik: TU Brünn, TU Liberec, Hochschule für Bergbau TU Ostrava, Tschechische Technische Universität Prag, Westböhmische Universität Pilsen
  • Textiltechnik: TU Liberec
  • Transportwesen: Universität Pardubice, Tschechische Technische Universität Prag
  • Umwelttechnik: TU Brünn, Mendel Universität für Landwirtschaft und Forsten Brünn, TU Liberec, Hochschule für Bergbau TU Ostrava, Universität Pardubice, Tschechische Technische Universität Prag, Westböhmische Universität Pilsen, Hochschule für Landwirtschaft Prag, Hochschule für chemische Technologie Prag
  • Umweltwissenschaft: Masaryk Universität Brünn, Südböhmische Universität Ceské Budéjovice, Palacky Universität, Universität Ostrava, Karlsuniversität Prag, Westböhmische Universität Pilsen, J. E. Purkyne Universität
  • Vermessungswesen: TU Brünn, Hochschule für Bergbau TU Ostrava, Tschechische Technische Universität Prag
  • Veterinärmedizin: Hochschule für Veterinärmedizin und Pharmazie Brünn
  • Werkstofftechnik: TU Brünn, TU Liberec, Hochschule für Bergbau TU Ostrava, Tschechische Technische Universität Prag, Westböhmische Universität Pilsen
  • Wirtschaftswissenschaft: Masaryk Universität Brünn, TU Brünn, Hochschule für Bergbau TU Ostrava, Karlsuniversität Prag, Hochschule für Ökonomie Prag

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